Eine Frage des Lichts.

Helvetia Kunde Damian Poffet fotografiert Architektur. Er verrät, wie es dazu kam, was ein gutes Bild ausmacht und vielleicht auch, wo das schönste Gebäude steht, das er je fotografierte.

Text Isabella Awad Fotos Damian Poffet

Über die Frage, welches für ihn das schönste Gebäude sei, das er je fotografiert habe, möchte er noch etwas nachdenken. Wie es dazu kam, dass er Architektur vor die Linse nimmt, dazu kann er sofort etwas sagen.

Begonnen hatte Damian Poffet, wie so viele andere auch, mit der Landschaftsfotografie. Im Laden kaufte er sich Karten und machte sich auf – geführt vom englischen «Lonely Planet» – zu entlegenen Destinationen: Namibia, Island, Australien, Neuseeland… «Damals gab es Instagram noch nicht; da bestauntest du alleine den märchenhaften Wasserfall in Island, den vor dir noch niemand oder nur wenige fotografiert hatten», schwärmt er. Heute, und sei das Ziel noch so exotisch, fluten Bilder von jeder hintersten Ecke der Welt das Internet.

Pure Faszination

Seine Fotografien verkaufte er an Reiseunternehmen oder zeigte sie in Ausstellungen. Da staunte man noch über die Sujets. Er fotografierte ohne Auftrag, ohne kommerzielles Interesse. Basis war seine pure Faszination. Ursprünglich machte Damian Poffet eine Lehre als Landschafts- gärtner. Das ist nun zehn Jahre her. Seine Passion ergänzte er noch mit einer dreijährigen Weiterbildung zum eidgenössisch diplomierten Fotodesigner HFP.

Arbeiten mit dem vorhandenen Licht

Strukturiertes und exaktes Arbeiten würden ihm liegen, sagt Damian Poffet. Er liebe es, ein Objekt genau zu studieren, das Licht einzufangen und sich immer zu fragen: Wo muss ich stehen, damit ich dem Gebäudekörper mit natürlichem Licht die perfekte Struktur gebe? Das sei sein Anspruch und auch das Schöne an seinem Beruf. «Gute Architektur kannst du bei jedem Wetter fotografieren, für weniger gute brauchst du das perfekte Licht, um sie optimal in Szene zu setzen», sagt er. Was gute Architektur sei, darüber diskutiere er oft mit seiner Partnerin, einer Architektin: Proportionen, Volumen, Funktion und Design müssen optimal zusammenstimmen.

Den eigenen Stil entwickeln

Es gibt Fotografen, deren Bilder erkennt man sofort. «Das will jede und jeder erreichen», sagt Damian Poffet. Einen eigenen Bildstil erlange man über viele Jahre intensiver Arbeit. Peu à peu kristallisiere sich dieser dann heraus. Den «Damian-Poffet-Stil» beschreibt er als nicht überdreht. Seine Fotos bearbeite er nur sanft, Architektur und Landschaften wolle er authentisch zeigen, also so, wie sie das Auge sieht. Seine Fotografie sei sehr formal, zentralperspektivisch, er liebe das Verhältnis 3:4, das seien beruhigende Bilder. Bei der Bildauswahl trifft sein Auge dann auf jenes des Auftraggebers. Da kann es Diskussionen geben. «Ein Dozent sagte mir einmal: Du musst die Fotografie verteidigen! Daran denke ich oft.» Er mag es, wenn sich seine Kunden mit seiner Arbeit auseinandersetzen; wenn jemand ohne Kommentar einfach alle Bilder bestellt, kann das auch frustrierend sein.

Ein-Mann-Betrieb …

Damian Poffets Kundschaft sind grösstenteils Architekten und Architektinnen, Bauunternehmen, Chemische- und Maschinenbauindustrie. Vermehrt fotografiert er auch im Bereich Corporate. Der Ein-Mann-Betrieb hat sich für ihn bewährt, vor allem in Zeiten von Corona. Er arbeite gerne alleine, tausche sich aber auch aus mit Kolleginnen und Kollegen im Gemeinschaftsatelier in Bern.

Konkurrenz Smartphone

Mit dem Smartphone sind wir heute alle Fotografen. Instagram, Facebook & Co. leben davon. Kommt hinzu, dass viele Geräte Top-Kameras besitzen. Damit ist der Wert eines Bildes kurzlebig geworden. Für Printmedien seien Smartphones keine Konkurrenz, sagt Damian Poffet. Zudem sei die Architekturfotografie technisch anspruchsvoll; zum Beispiel in Bezug auf die Belichtung, die Brennweite, die Perspektivenkorrektur und das Arbeiten mit Stativ. Insofern erlebt er diesen Trend entspannt und überhaupt: Konkurrenz belebe das Geschäft!

Sein eigener Auftraggeber sein

Jedes Jahr zieht es ihn fort. So wie in jungen Jahren, an Orte, an denen er seine eigenen Ideen verwirklichen kann. Dann ist er sein eigener Auftraggeber, ohne Druck, aber auch ohne Honorar. Künstlerisch sei das essenziell.

Was nach ein bisschen Rumreisen und «grâce matinée» klingt, entpuppt sich in der Realität als harte Arbeit. Fotografieren mit der grossen Kamera von 7.00 Uhr früh bis abends 22 Uhr und das bis zu zwei Wochen lang. Voraus geht eine seriöse Recherche. «Je weniger ich über ein Thema finde, je mehr lockt es mich», verrät Damian Poffet.

Das «schönste» Gebäude

Und damit fällt ihm auch die Antwort ein zur Einstiegsfrage: 2017 fotografierte er für eines seiner «privaten» Projekte in Ordos, in China und ein Jahr später in Astana, der neuen Hauptstadt Kasachstans. Es interessierte ihn, wie sich Städte «anfühlen», die buchstäblich aus dem Steppenboden gestampft wurden. Die Gebäude würden städtebaulich auf nichts Bezug nehmen, seien billig gebaut, sollten aber etwas darstellen. «Dass es so etwas überhaupt gibt und ich es mit eigenen Augen und durch das Objektiv sah, war unglaublich», sagt Damian Poffet. In diesem Sinne seien das nicht die schönsten, aber sicher die interessantesten Bauten, die er je fotografiert habe. Stundenlang sei er manchmal vor einem Gebäude gestanden, um den passenden Moment einzufangen.

Übrigens: Damian Poffet fotografierte nach Fertigstellung des Baus West auch den Helvetia Hauptsitz am Girtannersberg. Unkompliziert und menschlich sei die Zusammenarbeit gewesen. Er lacht: «Sie rangiert in meiner persönlichen Hitliste unter den besten 20.»

Was ist für Sie das Wichtigste am Büro?
Die Kamera und das Kamerastativ- und dass alles gepackt ist am Vorabend eines Shootings.

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