Gut gebaut ist gut angelegt.

«Virtuell» und physisch – Immobilien sind ein wichtiges Instrument, um Geld sicher und gewinnbringend anzulegen. Seien das Immobilien Direktinvestitionen oder Fonds, Mietshäuser oder Bürogebäude: Für Helvetia spielen Immobilien in jeder Form eine wichtige Rolle. Welche, erklärt André Keller, Leiter Bereich Asset Management.

Text Isabella Awad Fotos Barbara Jung

«Die Mieter spüren den Helvetia Spirit.»

André, du leitest seit mehr als einem Jahr den Bereich Asset Management. Ihr verwaltet über 50 Milliarden Schweizer Franken. Weshalb und wofür braucht Helvetia diese Kapitalanlagen?

Bei einer Versicherung bezahlen Kundinnen und Kunden für eine Leistung, welche sie erst im «Ereignisfall», also zu einem späteren Zeitpunkt beziehen. Aufgrund dieser zeitlichen Verzögerung müssen wir die im Voraus bezahlten Prämien rentabel und sicher investieren. Unsere Anlagetätigkeit ist umfassend durch verschiedene Behörden, Gesetze und Vorschriften reguliert. Diese berücksichtigen wir nebst den übergeordneten Anlagezielen von Rentabilität, Liquidität und Sicherheit. Bei der Verwaltung von Kundenvermögen müssen strenge Anforderungen und Gesetze eingehalten werden. Die Aufsichtsbehörden der verschiedenen Länder sowie auf Gruppenstufe die FINMA überwachen die Erfüllung dieser Auflagen. Diese Anlage-Tätigkeit erfordert ein Team mit detailliertem Fachwissen und langjährigen Erfahrungen in der Vermögensverwaltung und der Bewirtschaftung der Anlageklassen.

Erläutere bitte kurz die Helvetia Anlagestrategie…

Die Helvetia Gruppe verfolgt eine nachhaltige, auf die Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft abgestimmte Anlagepolitik. Ziel ist es, für unsere Kunden und Aktionäre mittels eines breit diversifizierten Portfolios eine attraktive, risikoadjustierte Rendite zu erwirtschaften und somit einen verlässlichen Beitrag zum Gruppenergebnis zu leisten. Dabei muss eine Vielzahl von Anforderungen hinsichtlich Risiko, Solvenz, Liquidität und anderen Bedingungen eingehalten werden.

Helvetia investiert in grossem Stil in Immobilien. Weshalb?

Immobilien haben sich über viele Wirtschaftszyklen und auch in Finanzkrisen als wertbeständige Anlagen bewährt. Zudem sind sie ertragsstark. Gerade bei tiefen Zinsen – heutzutage müssen sogar Negativzinsen bezahlt werden – sind Mieteinnahmen aus unserem Immobilienportfolio eine wichtige Einnahmequelle. Damit kommen wir auch Rentenverpflichtungen aus dem Vorsorgegeschäft nach. In der Schweiz erwirtschaftet unser Immobilien-Portfolio jedes Jahr einen Netto-Cashflow von über CHF 270 Mio. Aufgrund des seit Jahren anhaltenden Trends zu immer tieferen Zinsen hat die Bedeutung dieser Anlageklasse weiter zugenommen.

Welche Rolle spielen Immobilien bei der Anlagestrategie unserer Pensionskassen-Produkte?

Vorsorge ist Sparen mit langem Zeithorizont. Dafür eignen sich Immobilien aufgrund ihrer Wertbeständigkeit und den regelmässigen stabilen Erträgen sowie Aktien zur Sicherung der Kaufkraft durch realen Kapitalerhalt. Deshalb werden wir unser Angebot für Pensionskassen und für die Private Vorsorge mit solchen Produkten gezielt ausbauen und stärken.

Was ist für dich das Wichtigste am Büro?

In meinem Büro hängen zwei Bilder von privaten Reisen. Sie inspirieren und beruhigen mich. Ansonsten ist die Antwort wenig spannend. Das Wichtigste auf meinem Pult ist die Kombination Bildschirm / Tastatur / Notebook. Mein Büro ist aufgeräumt und funktional gestaltet, so dass es während meiner Abwesenheit auch von anderen Mitarbeitenden genutzt werden kann.

«Helvetia entwickelt den Grossteil ihrer Immobilien selber.»

Welche Art von Immobilien entwickelt Helvetia?

Das Immobilienportfolio von Helvetia ist auf Wohnen ausgerichtet. Diese Mieteinnahmen sind gegenüber Geschäftsliegenschaften weniger konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Durch die eigene Immobilienbewirtschaftung stellen wir sicher, dass unsere Liegenschaften kosteneffizient, nachhaltig und mit Sorgfalt unterhalten werden. Unseren Mietern bieten wir attraktive und gut unterhaltene Wohnungen in gepflegter Umgebung. Den persönlichen Kontakt stellen wir durch unsere Hauswarte sicher. Umfragen bestätigen, dass diese Nähe sehr geschätzt wird und die Mieterschaft den Helvetia «Spirit» spürt.

Das Bauen liegt also in der DNA von Helvetia…

Ja, das war schon immer so. Wir nehmen keine «vorfabrizierten» Wohnüberbauungen ins Portfolio. Unsere Bauspezialisten begleiten Neubauprojekte und planen langfristig Sanierungen sowie die Entwicklung des Immobilienbestandes. Sie stellen schon in frühen Planungsphasen sicher, dass sowohl «Hardware» als auch «Software» stimmen, das heisst solid und nachhaltig gebaute Gebäude sowie zeitlose und funktionelle Wohnungsgrundrisse. Derzeit betreuen die Spezialisten über zwei Dutzend Bauprojekte in unterschiedlichen Phasen. Der «Nachschub» für die kommenden Jahre ist damit mehr als gesichert.

Grossprojekt Campus: Welche Bedeutung hat es für Helvetia und für Basel?

Der Campus in Basel soll, zusammen mit dem Campus St. Gallen, zugleich Arbeits und Dorfplatz von Helvetia sein. Hier arbeiten wir nicht nur, hier leben wir unsere Unternehmenskultur und Werte, treten miteinander in den Dialog und entwickeln neue Ideen. Helvetia leistet mit diesem Projekt einen wichtigen Beitrag zur Bereicherung des Stadtbildes von Basel und zur Förderung der Standortqualität an der St. Alban-Anlage. Neben modernen Büroräumlichkeiten entstehen auch Begegnungszonen, welche für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Bevölkerung darf sich beispielsweise auf ein öffentliches Dachcafé freuen und im Auditorium sind interne und externe Anlässe mit bis zu 290 Gästen möglich.

Wie arbeitet ihr mit den Ländermärkten zusammen?

Der Bereich Asset Management ist der zentrale Vermögensverwalter der Helvetia Gruppe und wir sehen uns in der Rolle des Dienstleisters. Wir entwickeln Lösungen für die vielfältigen und komplexen Problemstellungen der Ländermärkte und nutzen die regelmässigen Anlageausschüsse, welche mit Vertretern des Bereichs Anlagen der Gruppe und lokalem Management zusammengesetzt sind, für Diskussionen und die Entscheidungsfindung. Daneben besteht ein aktiver Austausch mit den jeweiligen Fachpersonen in den Ländergesellschaften hinsichtlich der verschiedenen Anlagethemen und Lösungsfindung.

Ihr habt dieses Jahr die Helvetia Asset Management AG gegründet. Was ist das Ziel?

Das Know-how der Asset-Management-Organisation auch anderen zugänglich zu machen: zuerst im Bereich Immobilien Fonds. Mit der Helvetia Asset Management AG haben wir eine Fondsleitung und dadurch die Möglichkeit, in Zukunft auch zusätzliche Anlagefonds nach schweizerischem Recht anzubieten. Dadurch können private wie auch institutionelle Kunden verstärkt von der Anlagekompetenz von Helvetia profitieren. Dieses Jahr haben wir den ersten Immobilienfonds von Helvetia lanciert: den Helvetia Swiss Property Fund.

Diese Gesellschaft übernimmt einen Teil des Immobilienportfolios von Helvetia. Wieso ist das attraktiv für Helvetia?

Es ist eine Win-win-Situation: Die Anleger können mit dem Kauf von Fondsanteilen in ein solides Immobilien-Anlageprodukt investieren. Helvetia kann einen Teil dem Immobilienportfolios, welches sie wegen regulatorischer Vorgaben nicht mehr dem gebundenen Vermögen anrechnen kann, auf einen Schlag zu aktuellen Marktkonditionen verkaufen. Da diese Liegenschaften von einer Fondsleitungsgesellschaft erworben werden, welche Helvetia zu 100% besitzt, erwirtschaften wir langfristig zudem attraktive Verwaltungsgebühren.

Du gabst bekannt, dass Helvetia Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt – was heisst das bei Anlagen im Allgemeinen und bei Immobilien im Speziellen?

Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen wir in der Auswahl und Gewichtung der Kapitalanlagen. Dabei verstärken wir den gesamten Investitionsprozess hinsichtlich Nachhaltigkeit; von der Erhebung der Daten über die Entscheidungsfindung bis hin zum Reporting. Bei der Sanierung und dem Neubau von Immobilien nehmen wir direkten Einfluss, da wir einen Grossteil der Immobilien selber entwickeln. Dabei tragen wir, neben der Energieeffizienz, auch nachhaltigen Baustandards Rechnung.

Welche Kriterien müssen für dich erfüllt sein beim Kauf einer Geschäfts- bzw. einer Wohnimmobilie?

Helvetia kauft nur selten Geschäfts- oder Wohnimmobilien, da wir aufgrund der Grösse des Immobilienportfolios meistens selber entwickeln und bauen. Mit unseren Spezialisten erwerben wir Immobilienprojekte, manchmal sogar bereits bevor ein konkretes Bauprojekt ausgearbeitet ist. Damit können wir das «Endprodukt» mitgestalten und sicherstellen, dass dieses perfekt ins Portfolio passt. So verjüngen wir den Immobilienbestand, vermeiden nicht rentable Investitionen im Bestand und können Liegenschaften, deren wirtschaftliches Potenzial ausgeschöpft ist, verkaufen. Bei der Sanierung und dem Neubau von Immobilien nehmen wir direkten Einfluss, da wir einen Grossteil der Immobilien selber entwickeln. Generell wird eine Anlage nach verschiedenen Kriterien beurteilt. Die wichtigsten sind Risiko und Rendite.

Was bedeutet das «New Normal» für die Anlagen?

Wir sind noch weit weg von einem klaren Verständnis des «New Normal» – jedoch haben die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen klar zugenommen. Aufgrund dieser anhaltenden Entwicklungen werden die Zinsen voraussichtlich noch einige Zeit auf historisch tiefen Niveaus verharren. Die Bewertungen der Finanzmärkte sind zudem im Vergleich zu früher auf erhöhtem Niveau. Aus diesen Gründen ist es umsichtig, die Erwartungen an die Höhe der Anlagerenditen zu reduzieren. Die Corona-Massnahmen verstärken gewisse wirtschaftliche Herausforderungen, da sie zum Beispiel die Verschuldung der Staaten erhöhen und gewisse Industriesektoren stark treffen. Auf der anderen Seite entsteht in Krisen auch immer Innovation und viele Unternehmen werden gestärkt aus dieser Phase gehen. Die Investoren haben jedoch noch wenig Transparenz und Klarheit zur Entwicklung, weshalb die Finanzmärkte über die nächsten Monate noch volatil bleiben.

Wo ist Helvetia bezüglich Anlage-Management top und wo gibt es noch Potenzial?

Das Anlage-Management von Helvetia ist auf vielen Gebieten bereits gut. Um zwei Beispiele zu nennen: Die Konstruktion von auf die Verbindlichkeiten ausgerichteten Portfolios unter Berücksichtigung der komplexen versicherungsspezifischen Aspekte wird sehr gut gemeistert. Eine weitere Stärke ist das umfassende und kompetente Management von Immobilienportfolios und -objekten. Potenzial besteht beim Einsatz von Technologie und in gewissen Fachbereichen, welche aufgrund der Entwicklung unserer Kunden, Trends im Asset Management sowie veränderten Rahmenbedingungen benötigt werden. So werden wir in Zukunft viele Prozesse effizienter gestalten und automatisieren, wodurch die Mitarbeitenden ihre Zeit in Tätigkeiten mit höheren Wertbeiträgen investieren können. Wir werden uns zudem durch zusätzliche achkompetenzen verstärken, um die stetig steigenden Anforderungen und Erwartungen unserer internen und externen Kunden weiterhin mit attraktiven Anlagelösungen und -produkten erfüllen zu können.

viva. aufbauen.