Muss Rasen grün sein?

Die Tischhauser Brüder haben in den letzten Jahren mutige strategische Entscheide getroffen, die sich auszahlen. Das Kundenportfolio des Textilunternehmens Tisca ist vielfältig: die Flughäfen in Singapur und Seoul oder die Fussballclubs Arsenal und Liverpool gehören dazu. Mut, Vision, Energie und «outside of the box thinking» nennt Mitinhaber und Mitglied der Geschäftsleitung Andreas Tischhauser die Erfolgsfaktoren. Und natürlich: «Textile Passion»!

Text Isabella Awad Foto Anna-Tina Eberhard

Geschäftsleitungsmitglied Andreas Tischhauser empfängt Kunden und Gäste im Tisca-Showroom in Urnäsch.

Die Tisca Tischhauser AG gibt es schon seit 1940. Das grosse Fest zum Achtzigsten fiel wegen Corona leider ins Wasser – obwohl: zu feiern gäbe es genug. «Das letzte Jahr hat uns als Unternehmen zusammengeschweisst», sagt Andreas Tischhauser, einer der Inhaber, Geschäftsführer und verantwortlich für den Bereich Tisca Sports. Die Geschichte des Unternehmens ist eindrücklich und geprägt von visionären strategischen Entscheiden.

Teppiche aus Strümpfen

Die Tisca wurde von Anton Tischhauser, dem Grossvater der heutigen Inhaber, gegründet. Das Unternehmen fokussierte von Anfang an auf Textilien. In den Kriegsjahren sei die grösste Schwierigkeit gewesen, das Material zu beschaffen. Aus alten Kleidern und Strümpfen begann man Teppiche zu weben, um etwas Komfort in die kargen Wohnzimmer zu bringen. «Es gab trendbedingt eine Zeit, in der wir uns intensiv Gedanken machten, ob wir unser Angebot durch andere Bodenbelagsarten wie Holz oder Stein erweitern sollen. Wir entschieden, den Textilien treu zu bleiben, in diesem Bereich aber möglichst breit und tief aufgestellt zu sein», sagt Andreas Tischhauser. Mit den Jahren haben sie sich auf vier Hauptmärkte spezialisiert: Living, Commercial, Mobility und Sports.

Viel mehr als nur Stoff

«Unsere Aufgabe sehen wir darin, mit Textilien Räume zu gestalten. Denn um sich in einem Raum wohl zu fühlen, braucht man, allen Errungenschaften zum Trotz, Textilien», sagt Andreas Tischhauser. Dass Textilien viel mehr machen, als einem Raum ein Gesicht zu geben, wissen viele nicht: Sie verbessern die Lufthygiene, weil sie Staub und Bakterien festhalten. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit und leisten einen Beitrag zum Nachbarschaftsfrieden, weil sie schalldämpfend wirken. Und sie helfen Energie zu sparen, weil sie isolieren; das sind nur vier von vielen Vorteilen. «Für Komfort sorgen» ist bis heute Tiscas Hauptziel. Und das nicht nur im Innenbereich: Das Unternehmen entwickelte auch ein spezielles Sortiment für Balkone und Terrassen. Aber «gewohnt» wird nicht nur im privaten Bereich. Mit der Division «Commercial» erweitert Tisca ihr Programm für die Ausstattung von Büros, öffentlicher Gebäude, der Hotellerie, von Altersheimen, Theatern etc.

«Wir entschieden, den Textilien treu zu bleiben, in diesem Bereich aber möglichst breit und tief aufgestellt zu sein», sagt Andreas Tischhauser.

Auch eine Innovation aus dem Hause Tisca: Ihr Kunstrasen ist frei von umweltschädlichem Gummigranulat.

Kunst kommt von Können

«Ein Betriebsleiter schlug vor, dass wir mit unserer Technologie, die wir schon seit Jahrzehnten betreiben, auch sogenannte ‹Kunstrasen› herstellen sollten», erzählt Andreas Tischhauser. Der Verwaltungsrat schmetterte die Idee zuerst ab. Doch dann wollte man einen Versuch starten, unter der Bedingung, dass sich jemand voll und ganz auf den Bereich konzentriert. Andreas Tischhauser, damals in den USA beschäftigt, packte die Chance und übernahm 2005 die neue Division «Sportisca» und damit die Produktion von Rasensystemen. Den nächsten Schritt tat Tisca aufgrund der Nachfragelücke im Bereich Wohnen. 2006 rief sie die Division «Mobility Textiles» ins Leben. Hier geht es vor allem um die Bereiche Aviation, Railway, Bus und Ship.

Fussball, Golf & Co.

Tisca Sports startete mit Kunstrasen für Fussball. Später kamen Golf, Tennis und Multisport, also Schulhausplätze und Spielplätze, hinzu. Nach ihrem Start in der Schweiz, ist Tisca heute international unterwegs. «Beim Kunstrasen in Fussballstadien reden wir von der Umrandung des Spielfeldes, das eigentliche Feld ist meist Naturrasen», klärt Andreas Tischhauser auf. Liverpool ist ein aktuelles Projekt, Arsenal und Tottenham sind bereits abgeschlossen. Darauf sind die Tischhausers stolz: «Das sind alles Topreferenzen.»

Megatrend Outdoor

«Strategisch planen wir nicht bis ins letzte Detail, sondern versuchen, die grossen Pflöcke einzuschlagen», sagt Andreas Tischhauser. Das veranschaulicht die Gründung der Bereiche Mobility und Sports. «Wir versuchten, eine Antwort zu finden auf ein ‹rückläufiges› Kerngeschäft.

Teppiche waren aus der Mode gekommen. Die Strategie war, mit den bestehenden Kompetenzen neue Märkte zu erobern. Und das ist uns gelungen.» Die Pandemie habe gezeigt, dass die Diversifikation wie eine gute Versicherung sei. «Bis 2004 hat niemand daran gedacht, das Geschäft um den Aussenbereich zu erweitern. Über das Thema Fussball haben wir den Zugang zu dieser ‹Aussenwelt› gefunden. Und heute wird dieser immer wichtiger, auch im privaten Bereich: Outdoorteppiche, Outdoorgardinen, Outdoorstoffe … das ist ein weltweiter Megatrend», weiss Andreas Tischhauser.

Gründung: 1940, von Anton Tischhauser

Geschäftsleitung: Andreas, Matthias und Nick Tischhauser

Mitarbeitende: 200 in der Schweiz, rund 200 im Ausland (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Rumänien)

Produktion: Alles, was maschinengefertigt ist, produziert Tisca in der Schweiz, handgefertigte oder sehr aufwändig produzierte Textilien stellen sie in den eigenen Tochterfirmen im Ausland her.

Tisca ist Kundin von Helvetia

Besser sein und überraschen

Die Tisca ist ein inhabergeführtes Unternehmen und entscheidet dadurch frei und sehr agil. «Als Schweizer Unternehmen gewinnen wir selten über den Preis – wir müssen und wollen immer besser sein.» Diesbezüglich würden Funktionalitäten immer wichtiger. Eine USP sei es, dass sie Stoffe und Teppiche aus einer Hand produzieren. Das ermögliche Gesamtkonzepte für die Kunden. Darüber differenzieren sich die «Textiler». Inspiration und Innovation können immer und überall entstehen:

Was braucht ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein?

Unternehmerisches Geschick mit Fokus

Strenge Fokussierung ist eminent wichtig. Wenn dann ein nachhaltiges, gut funktionierendes Geschäftsmodell engagiert betrieben und stetig weiterentwickelt wird, dann klopft der Erfolg an die Türe.

Nebst dem inhouse Design- und technischen Entwicklungsteam, seien es Architekten, Planer, Mitarbeitende oder eine Diskussion unter Brüdern, die Anstoss geben. Immer wichtiger würden die Kontakte mit Forschungsanstalten wie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) oder der Universität St. Gallen.

Pink oder türkis?

Mut, die Fähigkeit zu antizipieren und Energie sind für Andreas Tischhauser Erfolgsfaktoren. Er erklärt es anschaulich am Beispiel des Kunstrasens: «Wir zielten darauf ab, 2005 etwas Besseres auf den Markt zu bringen, als die gängigen Produkte in diesem Bereich. Vor allem wollten wir einen Kunstrasen herstellen, der kein Gummigranulat enthält, denn das ist schädlich für die Umwelt. Damals interessierte sich im Sportbereich niemand für Nachhaltigkeit. Viele lachten sogar bei dem Begriff. Heute ist das Thema in aller Munde.» Ein weiterer Punkt sei wichtig: «Think outside of the box», also die Aussennetzwerke pflegen, das bringe einen weiter. Ein Beispiel sei ihr farbiger Kunstrasen. Denn: Warum muss Rasen immer grün sein?

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