«Bei der länderübergreifenden Zusammenarbeit wurde ein Erfolgsfaktor von fast allen Befragten genannt: Vertrauen.»

Specialty Markets strebt nach weiterem profitablem Wachstum.

Der Marktbereich Specialty Markets ist in der letzten Strategie­­- periode deutlich profitabel gewachsen. Ziel ist es, diese Entwicklung mit helvetia 20.25 fortzusetzen. Einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung dieses Zieles sollen unter anderem die Standorte für den lateinamerikanischen und den asiatischen Markt leisten.

Interview Jonas Grossniklaus Fotos Jorma Müller

Der Marktbereich Specialty Markets ist 2015 nach dem Schulterschluss von Helvetia und Nationale Suisse etabliert worden: Helvetia verfügte bereits davor über eine starke Position im französischen Transportversicherungsmarkt, ein Portfolio in der Aktiven Rückversicherung sowie Transport- und technische Versicherungen für den Schweizer Markt. Von Nationale Suisse wurde das internationale Spezialversicherungsgeschäft übernommen, konkret die Specialty Lines Engineering, Marine und Art. «Ein Erfolg der vergangenen Strategieperiode ist die gelungene Zusammenführung der verschiedenen Markteinheiten zu einem Bereich, in dem alle voneinander profitieren», erklärt David Ribeaud, der Specialty Markets in der Konzernleitung verantwortet und gleichzeitig auch die Markteinheit Specialty Lines CH & Int. leitet. Zudem konnten in den letzten fünf Jahren die Marke Helvetia auf internationaler Ebene besser positioniert und neue Produkte und Sparten eingeführt werden.

Auf dieser guten Ausgangslage baut Specialty Markets nun für helvetia 20.25 auf, wie Ribeaud erklärt: «Wir wollen unter allen Mitbewerbern der am höchsten kundenfokussierte und agilste Anbieter von nachhaltigen Erst- und Rückversicherungslösungen werden. Wir bieten unseren Geschäftspartnern weltweite Expertise und fokussieren auf langfristig orientierte Partnerschaften. Zuverlässigkeit, hoher Qualitätsanspruch und unsere schweizerische Wertehaltung leiten uns im täglichen Service.» Ein Vorteil von Helvetia sind zum Beispiel die kurzen Entscheidungswege, die es erlauben, schnell und flexibel auf die Anfragen von Geschäftspartnern zu reagieren. Die Umsetzung einer nachhaltigen Wachstumsstrategie erfolgt in den drei Markteinheiten Frankreich, Aktive Rückversicherung sowie Specialty Lines CH & Int. Im Interview ab Seite 38 erklärt Vincent Letac, welche Ziele im Markt Frankreich bis 2025 verfolgt werden.

Aktive Rückversicherung: Diversifikation als Ziel

Bei der Aktiven Rückversicherung liegt der übergeordnete Fokus auf einer optimierten Portfolio-Diversifikation als Grundlage für ein nachhaltiges und profitables Rückversicherungsgeschäft. Damit schliesst die neue Strategieperiode an die jüngste Entwicklung an, die von einem starken Wachstum geprägt war. Basis dafür war die verstärkte Marktbearbeitung, wie Reto Koller, Leiter der Aktiven Rückversicherung, erklärt: «Wir haben die Underwriting-Teams gezielt mit erfahrenen Personen verstärkt, welche die Produkte, Märkte und Kunden sehr gut kennen.

Wir verfolgen eine aktive Kundenbetreuung mit regelmässigen Besuchen in den entsprechenden Ländern und einem technischen Meinungsaustausch.» Ein weiterer wichtiger Faktor sei die sehr solide Kapitalbasis von Helvetia mit einem S&P-Rating von A, wie Koller ergänzt. Zudem schätzen die Kunden die Zielvision einer langfristigen Kundenbeziehung, und die über 160-jährige Geschichte von Helvetia dient als gelebter Beweis für diesen Ansatz. Grosse Fortschritte sind in der letzten Strategieperiode auch in der Administration und bei den technischen Analysefähigkeiten erzielt worden, u.a. dank Investitionen in ein modernes Rückversicherungssystem.

Für die angestrebte verbesserte Portfolio-Diversifikation soll bis 2025 das Rückversicherungsgeschäft, einerseits in Nord-, Zentral- und Osteuropa und andererseits durch die Nutzung der Helvetia Standorte Singapur und Miami in Südostasien bzw. Lateinamerika ausgebaut werden. Zudem soll das Produktangebot erweitert werden. Der Schwerpunkt liegt hier im Bereich Specialties (z.B. Luftfahrt, Kredit & Kaution, Naturkatastrophen und Spezial-Haftpflicht) sowie dem Aufbau eines Portfolios im Bereich Leben-Rückversicherung für biometrische Risiken. Darüber hinaus soll das Projekt ECM@RV abgeschlossen werden, um die Administration effizienter abwickeln zu können. Das Schlüsselelement dabei ist RITABlock (Reinsurance Technical AccountingBlock), das die Automatisierung und Digitalisierung des Technical Accountings auf Basis einer Blockchain-Lösung anstrebt.

Specialty Lines: Erfolge in der Schweiz und international

Auch Specialty Lines CH & Int. baut auf den Erfolgen der letzten Strategieperiode auf. Generell konnte in diesem Marktsegment ein starker Wachstumsbeitrag geleistet werden bei gleichzeitig plangemäss guten Ergebnissen. Weiter wurde die Basis für effizientere automatisierte Prozesse und modulare Produktstrukturen gelegt.

Im Schweizer Geschäft verbesserten sich die Marktpositionierung sowie die Wahrnehmung als kompetenter und lösungsorientierter Anbieter. Mit Cyber wurde zudem ein neues Geschäftsfeld implementiert. Die gute Zusammenarbeit mit dem Nicht-Lebengeschäft Schweiz und dem Vertrieb im Heimmarkt zeigt sich zum Beispiel im Rahmen der Firmenkunden-Kampagne. Im internationalen Specialty-Lines-Geschäft konnte die Profitabilität von den Gross- und Spezialrisiken im Engineering verbessert und anschliessend ein signifikantes Wachstum in dieser Sparte erzielt werden. Dies auch dank der E&S-Lizenz für das Direktgeschäft in den USA. Weiteres Wachstum erzielte Specialty Lines CH & Int. durch die Einführung von Luftfahrt- und Raumfahrtversicherungen sowie Verstärkung von Marine International. Schliesslich wurden auch die Risikoselektion und das Portfolio Management verbessert. Auf dieser Grundlage soll das Specialty-Lines-Geschäft nun weiterentwickelt werden, wie David Ribeaud ausführt: «Viele unserer Ziele leisten einen Beitrag zur strategischen Priorität Wachstum im Kerngeschäft. Mit dem Etablieren der Specialty Lines Aviation, Space und dem Cyber-Geschäft erschliessen wir darüber hinaus auch neue Geschäftsfelder.» Zudem setzt Specialty Lines CH & Int. weiterhin auf Effizienzsteigerungen und revidiert dafür die Kern- und Unterstützungsprozesse, um den Automatisierungsgrad zu erhöhen. Schliesslich werden auch die Produktstrukturen vereinfacht und externe zur Verfügung stehende Daten eingebunden, um die Kunden-Convenience zu erhöhen.

«Bei der länderübergreifenden Zusammenarbeit wurde ein Erfolgsfaktor von fast allen Befragten genannt: Vertrauen.»

Überseestandorte bieten Wachstumschancen

Überseestandorte bieten Wachstumschancen Bei den Wachstumsambitionen der Aktiven Rückversicherung und von Specialty Lines CH & Int. spielen die Standorte Miami und Singapur eine bedeutende Rolle. «In den vergangenen Jahren hat sich die Platzierung vom Geschäft laufend von London zu lokalen Brokern in Lateinamerika verschoben. Deshalb ist es für uns wichtig, eine lokale Präsenz zu haben in Miami als Hub für Lateinamerika. Das Verständnis des lokalen Marktes, der unterschiedlichen Mentalitäten und Risiken, aber vor allem auch die persönlichen Beziehungen sind hierbei die wichtigsten Erfolgsfaktoren», sagt Pascal Barbato, Leiter Marine, Aviation & Art, zur Entwicklung des internationalen Transportversicherungs-Marktes. Ähnlich äussert sich Oscar Treceno, Leiter Engineering: «Lateinamerika und Asien bieten die Chancen auf profitables Wachstum. In Asien sehen wir zum Beispiel einen Boom beim Bau von Windparks. Daran möchten wir partizipieren.» Die persönliche Präsenz vor Ort ist in der Umsetzung dieser Ambitionen matchentscheidend. Sowohl Barbato als auch Treceno betonen, froh zu sein, auf erfahrene und im Markt bekannte Persönlichkeiten zählen zu können. Bei der Aktiven Rückversicherung wurde im Hinblick auf die Strategieumsetzung für Miami und Singapur je ein Underwriter rekrutiert.

Diese bauen durch ihre lokale Präsenz die entsprechenden Kundenbeziehungen weiter aus und unterstützen die Kollegen von Specialty Lines bei Cross-selling-Anfragen.

Vertrauen als zentrales Element der Führung

Das Führen einer weltweit tätigen Organisation kann verschiedene Herausforderungen mit sich bringen. Hier gibt es unterschiedliche Erfolgsfaktoren: «Die Zusammenarbeit hängt viel mehr von der Einstellung der Leute ab als von den Regeln, die diese aufstellen», erklärt Ricardo Garcia Lopez, Leiter der Niederlassung in Miami. Der Austausch mit den Kollegen in der Schweiz ist dank Videokonferenzen sehr einfach möglich und gut etabliert. Im Bereich Engineering gibt es zum Beispiel für verschiedene Themen regelmässige Meetings und Absprachen. «Ziel ist, dass unser Angebot aus einem Guss daherkommt. Um das zu erreichen, setzen wir auf die gleichen Tools und haben weltweit den gleichen Risikoappetit», so Treceno. Diese Führung wird geschätzt, wie Ivan Chan, CEO Asia, erklärt: «Wir sind froh und dankbar für die ständige Guidance und Unterstützung, die uns aus der Schweiz auf verschiedenen Ebenen und Funktionen zuteil wird.» Schliesslich wird bei der länderübergreifenden Zusammenarbeit ein Erfolgsfaktor von fast allen Befragten genannt: Vertrauen.

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