Es weht ein frischer Wind bei der ERV.

Text Natascha Fabian Fotos Jorma Müller

Die ERV ist stark in Bewegung. Ein neuer Chef, veränderte Marktbedingungen und eine intensivere Zusammenarbeit mit Helvetia. Zusätzlich hält Corona alle auf Trab. Eine grosse Herausforderung für das Team.

Vor rund sieben Monaten übernahm Jan Kundert die Führung der Europäischen Reiseversicherung ERV. Lange Zeit war die ERV weit weg von ihrer ‹Mutter› Helvetia. Wie ein «gallisches Dorf», dessen Tor es nun zu öffnen gilt. Die beiden Unternehmen sollen näher zusammenrücken und gegenseitig stärker voneinander profitieren. Daran arbeitete Jan Kundert in den vergangenen Monaten. Und durfte dabei gleich zwei Unternehmen kennenlernen: Mit der ERV ein KMU mit einer eigenständigen Identität und mit Helvetia ein Grossunternehmen mit einer ganz anderen Kultur. Passt das zusammen?

Corona verbindet

Bei näherer Betrachtung findet man doch einige Gemeinsamkeiten vor allem in der aktuellen Corona-Situation: Zum Beispiel tauscht man sich zu Corona-bezogenen Themen täglich via Telefonkonferenz aus. Das brachte die beiden Schadenteams näher zusammen und die ERV konnte ihr spezialisiertes Know-how auch Kollegen von Helvetia zugänglich machen. Die ERV ihrerseits profitiert aktuell von Ressourcen von Helvetia. So helfen einige Mitarbeitende aus anderen Ressorts aus, da sich das Arbeitsvolumen in den letzten Wochen vervielfachte. Das stärkt Zusammenhalt und auch das Verständnis für das jeweils andere Geschäft. Das Tor des gallischen Dorfes steht also bereits offen. «Für die Zukunft müssen wir noch definieren, in welchen Themen eine engere Zusammenarbeit Sinn macht. Wichtig ist, dass die ERV ihre Autonomie dort bewahren kann, wo es zur Weiterführung des erfolgreichen Geschäftsmodells notwendig ist. Die Erhaltung einer eigenständigen Kultur und Identität gehört bestimmt dazu», sagt Jan Kundert.

Veränderungen in und um die Firma

Nicht nur in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Helvetia sind bei der ERV Neuerungen im Gange, sondern auch durch die veränderten Marktbedingungen. So hat sich beispielsweise das Buchungsverhalten der Reisenden in den letzten Jahren verändert, was das Geschäftsmodell beeinflusst. Aber das ist nicht der einzige Grund. Die ERV steht an der Schwelle, sich von einem kleinen zu einem mittleren Unternehmen zu wandeln. Bislang handelte man sehr Partner orientiert, brachte massgeschneiderte Lösungen in kürzester Zeit auf den Markt. Unternehmerisches Denken ist stark ausgeprägt, «geht nicht» gibt’s praktisch nicht. «Das ist Fluch und Segen zugleich», gibt Jan Kundert zu bedenken. «Für die nächste Phase brauchen wir mehr Fokus, mehr Prozessorientierung und in einigen Punkten müssen wir Standards definieren.» Es sind also strategische Veränderungen notwendig.

Wenn unternehmerisches Denken gelebt wird

Diese strategischen Veränderungen sind in vollem Gange – die Organisation befindet sich mitten im Strategieprozess. Die stark ausgeprägte Agilität soll beibehalten werden. Das unternehmerische Denken und Handeln soll ebenfalls weiterhin gefordert und gefördert werden. «Jeder Mitarbeitende soll verstehen, was wir tun und weshalb wir es tun und vor allem auch, was sein Impact auf den Gesamtprozess ist. Das heisst, der Mitarbeitende im Vertrieb versteht, was sein Handeln im Schaden auslöst – und umgekehrt», sagt Jan Kundert. Das sei bereits heute eine der vielen Stärken der ERV. Mit einer neuen Strategie sollen diese Stärken akzentuiert und das Potenzial ausgeschöpft werden.

ERV

Standort: Basel
Gründung: 1919
Mitarbeitende: 35
Kunden: etwa 2 Mio.

Jan Kundert (39) hat die Leitung der Europäischen Reiseversicherung im September letzten Jahres übernommen. Mit rund 18 Jahren Erfahrung in verschiedenen leitenden Funktionen in der Versicherungsindustrie bringt er einen breiten Erfahrungsschatz mit. Er ist studierter Jurist und verfügt über einen Executive Master of Business Administration der IMD Business School.

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Engagement und Agilität zahlen sich aus

Die ERV erfuhr in den vergangenen drei Jahrzehnten wenig personelle Veränderungen in der Führung. Neu ist deshalb, dass die Mitarbeitenden ihren Chef ‹ausbilden müssen›. «Ich habe nicht 30 Jahre ERV-Erfahrung wie meine Vorgänger. Und ich gehe anders an Dinge heran, weshalb ich auch andere Fragen stelle, als sich die Organisation das bisher gewohnt war», so Jan Kundert. Dazu kommt die Herausforderung mit dem Coronavirus – das Team ist aktuell so gefordert wie noch nie. Jan Kundert gibt zwar noch keine Ent- warnung, aber eines ist er sich sicher: «Mit einem solch engagierten Team und unserer agilen Arbeitsweise werden wir auch diese Herausforderung meistern und unseren Kunden die Unterstützung bieten, die sie gerade brauchen und von uns gewohnt sind.»

viva. unternehmen.