Die etwas andere Filmkarriere.

Bewegtbild fasziniert die Menschheit seit Louis Le Prince 1888 den ersten Film der Welt drehte. Er dauerte zwei Sekunden. In der Zwischenzeit ist viel passiert... Auch Conrad von Grebel war Zeit seines Lebens von Videos fasziniert. Wir haben ihn in seinem dritten Startup «Seervision» besucht.

Text Roswitha Thurnheer, Michel Küng

Fotos Jorma Müller

Die etwas andere Filmkarriere.

Bewegtbild fasziniert die Menschheit seit Louis Le Prince 1888 den ersten Film der Welt drehte. Er dauerte zwei Sekunden. In der Zwischenzeit ist viel passiert... Auch Conrad von Grebel war Zeit seines Lebens von Videos fasziniert. Wir haben ihn in seinem dritten Startup «Seervision» besucht.

Text Roswitha Thurnheer und Michel Küng

Fotos Jorma Müller


Conrad von Grebel beschreibt sich selbst als rastlos. Eine faszinierende Persönlichkeit, die spürbar einem inneren Antrieb folgt. «Das war irgendwie schon immer so», sagt er.

Von Grebels Generation ist mit MTV aufgewachsen. Er hat viel Musik gehört und wollte schon immer Videos machen. Trotzdem studierte er nach der Kantonsschule mit Schwerpunkt Wirtschaft zuerst ein Jahr Ethnologie, bevor er seinem Traum folgte und die Ausbildung zum Kameramann absolvierte.

Direkt nach der Schule gründete er sein erstes Unternehmen. Die Corporate Welt der Grossunternehmen interessiert ihn nicht. Noch nie hat er in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet.

Als pragmatisch kreativ beschreibt er sich selber. Für ihn ist das Ungewisse das Spannendste. Nur logisch, ist er bereits bei seinem dritten Startup angelangt; parallel zu den ersten beiden, wohlverstanden.

Von Null auf Hundert

Seine erste Firma «von Grebel Motion AG» schnellte gleich von Null auf Hundert. Mit seiner Idee, Dokus und Livestreaming zu vernünftigen Preisen zu produzieren, traf er den Nerv der Zeit. Mit einem kleinen, internationalen Team und modernstem Equipment schaffte er, was bei den grossen in der Branche nur mit sehr fetten Budgets möglich war und ist. Mehr durch Zufall als mit gezielter Akquisition zog er die FIFA als ersten grossen Kunden an Land. Es folgten viele internationale Projekte, neben Fussball auch für Universitäten, Spitäler und weitere grosse Kunden.

Der konsequente Einsatz von Roboterkameras machte Livestreaming auch für normale Events plötzlich erschwinglich. Von Grebel gründete daraufhin eine neue Firma, dreicast GmbH, die sich darauf spezialisierte. Ein Team von Freelancern produziert und streamt Events auf der ganzen Welt. Aktuell leidet die Firma stark unter dem Coronavirus, da praktisch alle Events abgesagt werden. Aber von Grebel bleibt optimistisch: «Es werden wieder bessere Zeiten kommen.».

Seervision

Gegründet: 2016

Sitz: Zürich

Mitarbeitende: 25 aus 13 Nationen

Institutioneller Co-Founder: ETH Zürich

Accelerator: Wyss Zürich

Persönlich wichtigster Wert: Ehrlichkeit und Fairness

Unternehmensvision: Every story can be told

Unternehmerisches Denken auf einer Skala von 1–10: eine klare 10 – zumindest die Gründer

Erwachsen werden mit Seervision

Conrad von Grebel ist nicht nur Unternehmer, sondern unterrichtete auch Mehrkameraproduktion und Kinematographie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). So entstand der Kontakt zum Institut für Automatik IfA der ETH Zürich. Dort forschten junge Talente und künftigen Co-Founder an einer Lösung zur autonomen Steuerung von Mehrkamerasystemen.

Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen erkannte er das Potential sofort. Wenn eine Roboterkamera die Bewegungen eines Kameramanns realistisch nachahmen kann, kann sich dieser auf den kreativen Teil der Arbeit konzentrieren. Langweilige repetitive Aufgaben, wie das Nachverfolgen eines Akteurs auf der Bühne könnte dann der Computer übernehmen. Funktioniert das gleich für mehrere Kameras, ergeben sich unbegrenzte Möglichkeiten... Mit Unterstützung von Innosuisse gründete der Pionier Seervision; zuerst als ETH Spin Off, dann kam Wyss Zürich als Accelerator dazu. Innert weniger Jahre entwickelten sie nicht nur eine intelligente, selbstlernende Kamerasteuerung, sondern auch einen Roboterkopf, der beliebige Kameras bewegen kann. Damit harmoniert ihr System problemlos mit bestehendem Equipment ihrer Kunden. Am wichtigsten ist die Software; bei den Kameras arbeiten sie mit verschiedenen Partnern zusammen.

Die Firma verdreifachte ihre Belegschaft innert weniger Monate. Strukturen und Prozesse mussten etabliert werden. Einige Personalentscheidungen fällte er ungern, aber Team-Fit ist wichtiger als reines Know-how. «Der Startup-Groove fühlt sich cool an, die Zusammenarbeit unkompliziert – bis die Firma zu gross wird.» Dann brauche es Strukturen, Prozesse, Versicherungen und – eine wichtige Erkenntnis – Conrad von Grebel lacht: «Es braucht halt auch Erwachsene».

Helvetia

«Zum Glück muss ich mich nicht selber um unsere Versicherungen kümmern», so Conrad von Grebel. Sein Kollege und Helvetia-Verkaufsleiter der GA Männedorf, Martin Baumann berät ihn dafür gern in allen Lebenslagen.

Was hätten Sie gern erfunden?
«Den Spülkasten vom WC; den von Geberit. Das ist genial – das braucht jeder.»
Was muss dringend noch erfunden werden?
«Informationsflut ist ein grosser Stressfaktor – etwas um mir zu helfen, disziplinierter damit umzugehen wäre toll.»

viva. unternehmen.