Kolumne

Barbara Josef

Co-Founder 5-9 AG

www.5to9.ch

Post aus der Zukunft.

Kürzlich bin ich dem folgenden Zitat von Honoré de Balzac begegnet: «Man lebt zweimal: das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung.» Ich bin immer wieder fasziniert, wie Menschen, die anspruchsvolle Veränderungen durchlaufen haben, diese Momente im Nachhinein als wichtige Weichenstellung in ihrem Leben bezeichnen.

Als Kinder zieht uns das vermeintlich Unmögliche magisch an. «Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!», lautet das Mantra von Pippi Langstrumpf. Als Erwachsene verlieren wir einen Teil dieser Neugier und Unbekümmertheit.

Dies bringt mich zu Veränderungsprojekten zurück. Verstehen Sie mich nicht falsch – ich glorifiziere nicht anspruchsvolle Situationen, im Gegenteil, toxische Positivität ist genauso nervig wie Pessimismus. Aber ich glaube, dass ein erfülltes Leben auch bedeutet, immer wieder das Vertraute gegen Ungewissheit einzutauschen, den Wind im Gesicht zu spüren und Verletzlichkeit zuzulassen. Nur so können wir uns weiterentwickeln. Das Schöne daran? Mit jeder erfolgreich bewältigten Veränderung gewinnen wir an Zuversicht, dass wir es auch das nächste Mal schaffen werden.

Ich möchte noch einmal auf das Zitat von Honoré de Balzac zurückkommen. Was wäre, wenn wir zu Beginn einer Veränderung das, was wir uns als spätere Erinnerung wünschen, gezielt gestalten würden? So könnten wir die Phase mutig angehen, ohne dass wir unsere Energie für Dinge verschwenden würden, die nicht in unserer Macht stehen. Ängste oder gar Ohnmacht würden einer selbstbestimmten Haltung weichen. «Menschen schützen, was sie lieben», hat einmal eine weise Person gesagt. In Veränderungsphasen ist es wichtig, dass uns unsere festen Überzeugungen und unsere nicht verhandelbaren Werte bewusst sind. Diesen Dingen müssen wir unbedingt Sorge tragen. Das lässt aber auch viel Raum für das lustvolle Entdecken neuer Welten, Talente und vielleicht sogar Träume. Vielleicht sollten wir uns zu Beginn von Veränderungsprojekten mentale Postkarten schicken. Sie zeigen nicht den schweisstreibenden Aufstieg in der prallen Sonne, sondern die Aussicht vom Gipfel, und vermitteln das Gefühl, dass sich alles gelohnt hat, was uns an diesen Ort gebracht hat.

Text Barbara Josef, Co-Founder 5-9 AG Foto zVg.

viva. Wandel.