Stark für das Lötschental.
Der Bergsturz vom kleinen Nesthorn ob Blatten hat das Lötschental erschüttert und einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar Organisationen wie die Feuerwehr für die Gesellschaft sind. Michael Rieder, Kommandant der Feuerwehr Lötschental, erzählt, was ihn und sein Team antreibt, wie sie mit Wandel umgehen und was ihn trotz allem zuversichtlich stimmt.
Text Sarah Büchel
Fotos zVg.
Wenn der Gletscher kommt, bleibt keine Zeit zum Zögern. Am Nachmittag des 28. Mai 2025 beobachtete ein Posten in Blatten, wie sich Eis und Geröll in Bewegung setzten. Der Kommandant der Feuerwehr Lötschental, Michael Rieder, befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Feuerwehrlokal.
«Der Gletscher begann abzustürzen. Das war von unserem Standort aus klar zu sehen», erinnert sich Rieder. Es war der Beginn eines der herausforderndsten Einsätze in der Geschichte der regionalen Feuerwehr. Nicht nur wegen des immensen Schadens, den der Absturz angerichtet hat, sondern vor allem, weil rund ein Viertel der Feuerwehrleute selbst direkt von der Katastrophe betroffen war.
«Ausserdem war sämtliches Einsatzmaterial aus Blatten plötzlich nicht mehr verfügbar. Das hat unsere Arbeit zusätzlich erschwert.»
Und dennoch: Die Feuerwehr Lötschental hat Ruhe bewahrt und gehandelt. Oberstes Ziel war es, den Zutritt Unbefugter in den Gefahrenbereich strikt zu verhindern. Parallel dazu wurde ein Kommandoposten aufgebaut. In enger Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei, der Stützpunktfeuerwehr Gampel-Steg und weiteren Partnerorganisationen wurde die Lage analysiert und koordiniert. «In Krisen Köpfe kennen – das ist ein alter Spruch, aber er stimmt. Wir wissen, wie der Führungsstab funktioniert, und konnten zielgerichtet agieren », sagt Rieder.
Auch sonst ist die Feuerwehr im Lötschental unverzichtbar – sei es als Ölwehr, bei Waldbränden, Unwettern oder anderen Naturgefahren. «Ein Flugzeugabsturz war bisher ein einmaliges Ereignis», erzählt Rieder. Gerade in Regionen mit erhöhter Naturgefahr ist es entscheidend, dass Einsatzkräfte gut ausgerüstet, abgesichert und einsatzbereit sind. Helvetia ist stolz darauf, die Feuerwehr Lötschental als Versicherungspartnerin bei ihrem wichtigen Beitrag zur Sicherheit in der Region zu unterstützen.
Was bleibt, wenn alles sich verändert?
Seit 2000 ist Michael Rieder Teil der Feuerwehr, seit 2017 der Kommandant der Feuerwehr Lötschental. Was ihn antreibt? «Jeder und jede war schon einmal in einer Situation, in der er oder sie auf Hilfe angewiesen war und hoffte, dass jemand kommt und hilft. Mir gefällt, was wir gemeinsam erreichen können, und ich möchte Menschen in schwierigen Situationen helfen.»
Dass sich die Welt verändert, spüren auch die Feuerwehrleute. «Die Ausrüstung und der Schutz unserer Feuerwehrfrauen und -männer haben sich in den letzten Jahren massiv verbessert », sagt Rieder. Die Hersteller von Gerätschaften geben sich grosse Mühe, neue und bessere Lösungen zu entwickeln. Aber die Möglichkeiten in einem Bergdorf seien stark begrenzt. Im Vergleich zu grösseren Gemeinden oder Städten bedeutet jede Investition einen deutlich grösseren Kraftakt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. «Es wird erwartet, dass die Feuerwehr spätestens 15 Minuten nach Alarmierung am Schadenplatz eintrifft. Das ist im Milizsystem nicht immer einfach umzusetzen.»
Wandel als Dauerzustand
«Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung », zitiert Rieder. Was sich nicht verändert habe, sei der Zusammenhalt. «Auf unseren Teamgeist können wir uns in jeder Lage verlassen.» Die Feuerwehr kann zudem auf vier eidgenössische Instruktoren zählen. Das eröffnet wertvolle Möglichkeiten, die Ausbildung auf einem hohen Niveau zu halten und weiterzuentwickeln. Und auch die Motivation des Nachwuchses, sich zu engagieren, sei vorhanden. Zwar sei das Interesse der Jungen nicht mehr so gross wie auch schon. «Aber wenn sie mal dabei sind, zeigen sie grosses Engagement», meint Rieder.
Vertrauen, das trägt
Nach belastenden Einsätzen wie in Blatten kommt auch die Nachsorge nicht zu kurz. In den Debriefings der Feuerwehr wird das Erlebte gemeinsam verarbeitet – bei Bedarf auch mit professioneller Hilfe. Und: «Die Solidarität in der Bevölkerung ist sehr bewundernswert. Man kennt sich und schaut aufeinander.»
Für die Zukunft wünscht sich Michael Rieder vor allem eines: dass das Miteinander bleibt. «Es wird immer Ereignisse geben, die eine Einzelperson überfordern. Gemeinsam jedoch lässt sich jedes Ereignis bewältigen. Getreu dem Motto: Never walk alone.»
Ein Satz, der hängen bleibt. Vielleicht, weil er so selbstverständlich klingt. Dabei ist das, was unsere Feuerwehr leistet, alles andere als selbstverständlich. Und genau deshalb sollten wir es als Gesellschaft nicht einfach als gegeben betrachten.

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In eisigen Stürmen überleben Pinguine, indem sie sich eng aneinanderdrücken und regelmässig die Position wechseln. Starke Netzwerke und wechselseitige Unterstützung sind essenziell für langfristige Resilienz.